Almwanderung auf den Spuren der Goldegger Wehrmachtsdeserteure
„Bewegte Gespräche“ – Feier beim Gedenkstein in Goldegg – Ehrung von Brigitte Höfert
Samstag | 30. Juni 2018
An diesem wunderschönen Samstag wanderten wir vom Böndlsee in Goldegg-Weng bis zur Hirtenkapelle am Meiselstein. An historisch bedeutsamen Wegpunkten erzählte Vereinsobmann Michael Mooslechner über die geschichtlichen Hintergründe des "Sturm" in Goldegg am 2. Juli 1944. In diesem Jahr reflektierten Betroffene die Herausforderungen, selbst und in den Familien in der Nachkriegszeit mit dem erlittenen Unrecht umzugehen.
Brigitte Höfert, die Tochter des im Oktober 1944 im KZ-Mauthausen hingerichteten Wehrmachtsdeserteurs Karl Rupitsch berichtete, wie sie sich seit ihrer Kindheit immer stärker mit dem abwesenden leiblichen Vater beschäftigte. Sie war in einer liebevollen Pflegefamilie in Bischofshofen aufgewachsen. Als Kind war sie noch mit der Erklärung zufriedenzustellen, der Vater sei im Himmel. Als Jugendliche kleidete sie sich am Todestag ihres Vaters demonstrativ schwarz. Nach ihrer Pensionierung setzte sie sich aktiv für eine Erinnerungstafel in der Wenger Kirche ein und betrieb ein Verfahren zur Rehabilitierung ihres Vaters. Dies gelang erst nach Jahren, da ein Todesurteil gegen Karl Rupitsch nicht aufzufinden war. Erst nach hartnäckigen Interventionen im Justizministerium wurde das Rehabilitierungs- und Anerkennungsgesetz wegen dieses Anlassfalles repariert. Nachdem dies gelungen war, setzte sich Brigitte Höfert dafür ein, dass in Goldegg 70 Jahre nach dem "Sturm", allen Opfern des 2. Juli 1944 durch ein schlichtes Erinnerungszeichen mit Namen gedacht wird. Höhepunkt dieser Bemühung war die feierliche Einweihung des Gedenksteins am Gelände der Gebietskrankenkasse am 8. August 2014. Bei der Hirtenkapelle erzählte Frau Brigitte Menne, eine gebürtige Pongauerin, die jetzt in Wien lebt, über das Schicksal ihrer Großmutter Maria Etzer. Diese Bäuerin aus Goldegg hatte ihren Hof nach dem Tod ihres Mannes bereits 15 Jahre als Witwe bewirtschaftet, als sie während des Krieges im 1943 bei der Gestapo denunziert wurde. Das Gericht verurteilte Maria Etzer zu drei Jahren Zuchthaus wegen Verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen. Ihre Enkelin, Brigitte Menne hat über Jahrzehnte verucht, die Ehre ihrer Großmutter wieder herzustellen. Seit dem Erscheinen des Buches "Das Selbstverständliche tun" der Autorin Maria Prieler-Woldan fühlt auch sie Genugtuung. Brigitte Menne möchte auch ihre Großmutter Maria Etzer nach dem Rehabilitierungs- und Anerkennungsgesetz rehabilitiert sehen. Dies wäre auch für die gesamte Opfergruppe dieser angeschwärzten Frauen ein Meilenstein. Um 19.00 Uhr versammelten sich ca. 70 Personen beim Gedenkstein, um der vielen Opfer des "Sturm" zu gedenken. Wie jedes Jahr, war auch Bürgermeister Hans Fleissner gekommen. Die Razzia am 2. Juli 1944 hatte 14 Menschen das Leben gekostet, viele waren nach dem Krieg körperlich und seelisch gebrochen aus den Konzentrationslagern zurückgekommen. Vereinsobmann Michael Mooslechner würdigte, dass der Bürgermeister die umstrittene Gemeindechronik nicht mehr an Jungbürger verteilen lässt und äußert die Hoffnung, dass die Gemeinde Goldegg die Kraft aufbringen wird, noch im Gedenkjahr 2018 öffentlich zu bekennen, dass sie das umstrittene Kapitel über die NS-Zeit und die Deserteure neu formulieren wird. Vorstandsmitglied Helmut Edelmayr überbrachte die Grüße des Mauthausen-Komitees und betonte die gute Zusammenenarbeit mit unserem Verein. Hauptredner Dr. Marjan Sturm, Obmann des Zentralverbandes der Slowenischen Organisationen in Kärnten erzählte vom Schicksal seiner Volksgruppe im Nationalsozialismus und seinen Beitrag zur Lösung des Konfliktes um die zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten. Der Text ist auf dieser Seite zum Download bereitgestellt. Als krönenden Abschluss dieses Gedenktages 2018 empfanden viele, dass unser Ehrenmitglied Brigitte Höfert für ihr Wirken gegen Fremdenhass, Rechtsextremismus und für ihren Einsatz für das "Erinnern" an die Opfer der NS-Zeit ausgezeichnet wurde. Der Vorsitzende des Bundes Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, Matteo Gebhart verlieh ihr die Otto-Bauer-Plakette. Die Wanderung ist auch heuer wieder von Fritz Moßhammer mit Alphorn und Flügelhorn musikalisch begleitet worden. Bei der Gedenkfeier spielte Hubert Kellerer Akkordeon. Für die Fotos danken wir Fritz Lorber, Manfred Gartner und Alexander Neunherz. |